Die wichtigste Nachricht des Jahres für europäische Sammler hat nichts mit Karten zu tun, sondern mit Logistik. PSA eröffnet in Frankfurt die erste vollwertige Grading-Anlage in Europa. Vorher war die europäische Niederlassung in Manchester reine Annahmestelle, bewertet wurde in den USA. Was das kostet und ob es sich rechnet, steht hier.
Die Preise, Stand 2026
PSA hat im Februar 2026 die Preise über mehrere Servicestufen angehoben, laut eigener Begründung, um Einsendevolumen und Kapazität in Einklang zu bringen. Praktisch heißt das: rund 5 Dollar mehr pro Stufe.
- PSA Regular: 79,99 $ pro Karte, Höchstwert 1.500 $, geschätzt 40 bis 50 Werktage.
- PSA Express: 149 $ pro Karte.
- PSA Super Express: 349 $ pro Karte.
- PSA Walk-Through: 599 $ pro Karte, 5 bis 7 Werktage.
- PSA Premium 1: 999 $ pro Karte.
BGS und CGC rechnen anders. Beide verlangen keine Jahresgebühr, und beide sind in der Einstiegsstufe deutlich günstiger.
- BGS Standard 25 $, 20 bis 30 Werktage. Express 50 $ (5 bis 10 Tage), Premium 100 $ (2 bis 3 Tage), Walk-Through 250 $ am selben Tag.
- Jede BGS-Karte trägt vier Subgrades auf dem Label: Zentrierung, Ecken, Kanten, Oberfläche. Im Grundpreis enthalten.
- CGC startet je nach Quelle bei 15 bis 18 $ und berechnet Subgrades als Aufpreis. In Europa der verbreitetste Grader für TCG, mit Niederlassung in München.
Warum trotzdem die meisten zu PSA gehen
Der Preisunterschied ist eindeutig, die Marktakzeptanz nicht. Bei Pokémon, Yu-Gi-Oh und One Piece erzielt eine PSA-10 in aller Regel mehr als eine gleichwertige Bewertung eines anderen Hauses. Das ist keine Aussage über Bewertungsqualität, sondern über Liquidität: PSA-Slabs haben die dickste Nachfrage und damit den engsten Spread beim Wiederverkauf.
BGS hat dafür ein Argument, das PSA nicht kontern kann. Die vier Subgrades stehen auf jedem Slab, ohne Aufpreis und ohne dass jemand das Gehäuse öffnen muss. Wer eine Karte weiterverkauft, verkauft damit auch eine nachvollziehbare Begründung des Grades mit.
Der Grade entscheidet über den Preis, die Marke des Graders über die Zahl der Käufer.
Frankfurt: was sich für Einsender aus der EU ändert
PSA hat angekündigt, in Frankfurt die erste vollwertige Authentifizierungs- und Grading-Anlage in Europa zu eröffnen, geplant für den Sommer 2026. Karten werden vor Ort bewertet, andere Kategorien von dort in die USA weitergeleitet. Frankfurt wurde ausdrücklich wegen der Verkehrsanbindung gewählt.
Der praktische Gewinn liegt weniger im Preis als im Risiko. Wer bisher aus der EU eingesendet hat, hat Zollpapiere, Wochen im Transit und die Möglichkeit einer falschen Wertfestsetzung mitgekauft. Eine innereuropäische Einsendung umgeht zusätzlich den pauschalen Zollbetrag von 3 Euro, der ab Juli 2026 auf Rücksendungen aus Nicht-EU-Ländern anfällt.
Die einzige Rechnung, die zählt
Grading lohnt sich, wenn der erwartete Wertzuwachs die Gesamtkosten übersteigt. Gesamtkosten heißt: Gebühr plus Hinversand plus Rückversand plus Versicherung plus anteilige Jahresgebühr plus die Wochen, in denen die Karte nicht verkäuflich ist.
- Schritt 1: Was bringt die Karte roh in Near Mint? Nimm reale Verkäufe, keine Angebotspreise.
- Schritt 2: Was bringt dieselbe Karte in PSA 9 und was in PSA 10? Der Abstand zwischen 9 und 10 ist bei modernen Karten oft dramatisch, bei Vintage weniger.
- Schritt 3: Wie wahrscheinlich ist die 10? Ohne Lupe und Zentrierungsprüfung ist die ehrliche Antwort meistens: niedriger als gedacht.
- Schritt 4: Erwartungswert gegen Gesamtkosten. Liegt die Differenz unter 50 Euro, ist Grading Liebhaberei, keine Investition. Das ist völlig in Ordnung, sollte einem aber klar sein.
Als Faustregel aus der Praxis: Unter einem Rohwert von etwa 80 bis 100 Euro rechnet sich eine Einzeleinsendung bei keinem der drei Häuser. Darunter bleiben nur Bulk-Programme, und die sind bei PSA seit 2026 an die Clubmitgliedschaft gebunden.
Quellen: PSA Preis- und Laufzeitübersicht, Preisvergleiche zu BGS und CGC aus mehreren unabhängigen Marktübersichten 2026, Angaben zur Frankfurter Anlage aus der PSA-Ankündigung.
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